Einer der prägendsten Theatermacher im Wien der 1960er und 70er Jahre verstarb am 26. Jänner 2026:
der Autor, Dramatiker, Schriftsteller, Theatermacher und Regisseur CONNY HANNES MEYER gehörte mit seinen „Komödianten“ zu den agilsten und fortschrittlichsten Kräften der freien Szene. Das ERSTE WIENER LESETHEATER bringt ihm zu Ehren eines seiner historisch wichtigsten und genau recherchierten Werke:

Der Albertinaplatz in Wien ist seit Jahrhunderten mit der wechselhaften Geschichte der Juden verbunden. Einst ein vor den Mauern der Stadt gelegener Judenfriedhof, wo während der Kreuzzüge auch Pogrome stattfanden, ereigneten sich hier immer wieder Vorfälle, die für Juden dramatische Folgen hatten. Einige dieser dokumentarisch belegten Ereignisse bringt dieses Stück zur Ansicht.

Neben volkstümlichen Szenen, die auf Begebenheiten aus den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts rund um die Errichtung des Denkmals von Alfred Hrdlicka am Albertinaplatz kritisch Bezug nehmen, blenden andere Szenen zurück in die Vergangenheit und demonstrieren die offene oder latent vorhandene antisemitische Stimmung der Bevölkerung in Wien von 1244, 1770, 1787, 1938, 1939, 1945 …

Über das Stück:
http://www.connyhannesmeyer.at/werke/dramatik.html#albertinaplatz
Über den Autor und Theatermacher Conny Hannes Meyer:
http://www.connyhannesmeyer.at
https://de.wikipedia.org/wiki/Conny_Hannes_Meyer
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Es gehörte unerhörte Willenskraft dazu, im kreidegrauen Wien der 1960er-Jahre linkes, aufmüpfiges, gesellschaftspolitisch engagiertes Theater zu machen. Es kann durchaus nicht verwundern, dass Conny Hannes Meyer die wesentlichen Impulse für seine Theaterarbeit durch Bertolt Brecht empfing: Der Sohn eines jüdischen Geschäftsmannes verbrachte seine Jugend in Heimen. Erste prägende Erfahrungen sammelte der Schriftsetzer-Lehrling in Laienspielgruppen. Und dann passierte es: Er sah die große Therese Giese als Mutter Courage 1948 im Theater Scala, 1953 Helene Weigel als Die Mutter.
Meyer lernte nicht nur, den Brecht-Boykott zu missachten und für diejenige ignorante Dummheit zu erkennen, die er war. Er begann, die Meriten eines nüchtern zeigenden Theaters mit dem eigenen Empfinden zu synchronisieren. Im Zusammenwirken mit Erich Pickl und Erich Pateisky entstand das Theater Experiment am Liechtenwerd im neunten Wiener Gemeindebezirk. Dort propagierte man das Werk von Jura Soyfer und tat etwas für Österreich Ungewöhnliches: Man übte Kritik an den Verhältnissen und verschrieb sich folgerichtig der Sache der kleinen Leute. Man schlug die Landsknechtspauke und rezitierte dazu aufmüpfige Verse, lauter unerhörte Vorgänge.
1963 eröffnete Meyers Komödianten am Börseplatz einen bald hundert Sitze umfassenden Theaterraum. Plötzlich gab es in Wien Stücke von Peter Weiss oder Fernando Arrabal zu sehen, man spielte Rashomon oder inszenierte Puppenszenen nach Georg Trakl, wobei bereits der nachmalige Serapions-Bruder Erwin Piplits für die Ausstattung sorgte. Das Theater des "linken" Prinzipals legte den Grundstein für alle möglichen Mittelbühnen, die da noch folgen sollten: Im Hauruck-Verfahren organisierten die Rebellen von einst (Arena etc.) Spielräume und schufen Tatsachen, anstatt von einer gesamthaften Umwälzung gesellschaftlicher Verhältnisse lediglich zu träumen.
(Ronald Pohl, Der Standard, 4.2.2026)
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Über Das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus im 1. Bezirk auf dem Helmut-Zilk-Platz, der von den Adressen Tegetthoffstraße 10, Augustinerstraße 8, Führichgasse 5 und Albertinaplatz 1 begrenzt wird. Es handelt sich um den südlichen Teil des Areals des 1945 zerstörten Philipphofs neben der Albertina.
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Mahnmal_gegen_Krieg_und_Faschismus
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Über das ERSTE WIENER LESETHEATER:
https://www.lesetheater.at/index.php
Leseaufführungen des ERSTEN WIENER LESETHEATERS finden prinzipiell bei freiem Eintritt statt – über Spenden freuen wir uns!
